von Thomas Jäger
„Wenn ein Dirigent schon ‚Klingemann‘ heißt, dann kann es ja nur gut werden“ kalauerte Achim Falkenhausen, der die Bläserphilharmonie Hildesheim im letzten Jahr dirigiert hat, in seiner Anmoderation des diesjährigen musikalischen Leiters Henning Klingemann, und er sollte Recht behalten, denn die rund zweieinhalb folgenden Stunden waren äußerst wohlklingend und auf hohem musikalischen Niveau. Die Bläserphilharmonie ist im Jahr 2018 aus dem ehemaligen Kreisverbandsorchester entstanden. Jährlich wechselnde professionelle Dirigenten und sehr gute Amateurmusiker, deren Einzugsbereich inzwischen weit über den Großraum Hildesheim hinausreicht, bilden dieses 66-köpfige Projektorchester, das am vergangenen Sonntag sein Abschlusskonzert in der vollbesetzten Mehrzweckhalle des Goethegymnasiums präsentierte.

Die Bläserphilharmonie Hildesheim beim Konzert am 02.02.2020

Bereits im Vorfeld wurde zugunsten eines homogenen Gesamtklangs bei der Auswahl der Projektteilnehmer auf eine ausgewogene Besetzung geachtet: von der kleinen Piccoloflöte bis hin zur großen Tuba war jedes Register angemessen besetzt, um großen sinfonischen Blasorchesterwerken mit allen Klangfarben gerecht zu werden – „und sogar auf den Genderaspekt wurde geachtet“ scherzte Falkenhausen, der im weiteren Verlauf mit hohem Fachverstand die jeweiligen Stücke sehr unterhaltsam einführte.

Hörner, Trompeten und Schlagwerk in Aktion
Klarinettenregister der BPH

Die musikalische Reise ins Land der Mythen, Sagen und Legenden begann mit der Filmmusik zu „Robin Hood“, gefolgt von „The Last Centaur“, einer Komposition von Rossano Galante, in der lyrische Hornpassagen, mitreißende Läufe der Holzbläser und majestätische Blechbläserfanfaren die Abenteuer dieses Mischwesens der griechischen Mythologie erzählen.

Bert Appermonts viersätziges Werk „Gulliver’s Travels“ – inspiriert vom gleichnamigen Roman – entführte das Publikum danach in fantastische Welten: Ein spielerisches, souverän gespieltes Piccolo-Solo versetzte die Zuhörer ins Land der unternehmungslustigen Liliputaner. Im Land der monströsen Giganten regierte das Bass-Register und auf der schwebenden Insel durfte im 6/8-Takt zum schönen Saxophon-Solo geträumt werden. Im Land der intelligenten, ehrwürdigen Pferde präsentierten die Trompeten und Flöten eine fröhliche, mitreißende Melodie, während Hörner und Posaunen in einer ruhigeren Nebenmelodie brillierten.

Die BPH 2020

Dank des genauen und schwungvollen Dirigates wurde jedes Detail gut herausgearbeitet und dabei besonders auf die dynamischen Abstufungen geachtet, was bei vielen Amateurorchestern leider häufig vernachlässigt wird.

Nach der Pause standen traditionelle Balladen und Volkslieder mit den „Songs of Old Kentucky“ und der „English Folk Song Suite“ auf dem Programm und zum Konzertende wurde noch mal richtig Gas gegeben. Feuer entfachten die Musiker bei dem lateinamerikanischen „El Cumbanchero“, in dem das Schlagzeugregister rhythmische Präzision beisteuerte, aber auch die Flöten in einigen virtuosen Passagen ordentlich gefordert waren und in dem letzten Stück schienen die Figuren aus vielen bekannten Disney- Zeichentrickfilmen in einem spritzigen Arrangement des Japaners Naohiro Iwai fröhlich auf den Noten zu hüpfen („Disney Fantasy“).

Trompeten und Posaunen

Natürlich ließ das begeisterte Publikum die Musiker nicht ohne eine Zugabe von der Bühne und mit der Musik aus dem amerikanischen 3D- Animationsfilm „How to train your dragon“ wurde das musikalisch anspruchsvolle, rundum gelungene Konzert schließlich beendet.

BPH 2020 – Volles Haus